Die Kombination aus Photovoltaik-Anlagen und Speichersystemen bietet landwirtschaftlichen Betrieben zahlreiche Vorteile. Durch die Nutzung von Photovoltaik können Betriebe ihre Energieunabhängigkeit erhöhen und zusätzliche Einnahmequellen erschließen.
Agri-Photovoltaik, leistungsfähige Batteriespeicher und verbesserte Rahmenbedingungen machen PV-Anlagen heute wirtschaftlich attraktiv. Bereits rund ein Viertel aller Photovoltaikanlagen in Deutschland werden von landwirtschaftlichen Betrieben betrieben.
Dieser Praxis-Guide erklärt, wie landwirtschaftliche Betriebe von der Kombination aus PV-Anlagen und Speichersystemen profitieren können und wie die Intelligente Anlagenbetreuung (IAB) die Effizienz und Wirtschaftlichkeit steigert.
Wichtige Erkenntnisse
- Landwirtschaftliche Betriebe können durch Photovoltaik ihre Energieunabhängigkeit erhöhen.
- Die Kombination aus PV-Anlagen und Speichersystemen bietet wirtschaftliche Vorteile.
- Agri-Photovoltaik-Konzepte bieten innovative Lösungen für landwirtschaftliche Betriebe.
- Die Intelligente Anlagenbetreuung (IAB) steigert die Effizienz von PV-Anlagen.
- Photovoltaik-Anlagen können ohne staatliche Förderung wirtschaftlich betrieben werden.
Die Kombination von Landwirtschaft und Photovoltaik
Die Agri-PV ermöglicht eine Doppelnutzung von Flächen für sowohl landwirtschaftliche Produktion als auch Solarstromerzeugung. Durch diese innovative Kombination kann die Effizienz der Flächennutzung gesteigert werden.
Was ist Agri-Photovoltaik?
Agri-Photovoltaik (Agri-PV) ist ein Konzept, das die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte mit der Solarstromproduktion auf derselben Fläche kombiniert. Bei der Agri-PV werden Solarmodule so installiert, dass darunter oder dazwischen weiterhin Landwirtschaft betrieben werden kann. Dies kann durch erhöhte Aufständerung oder vertikale Anordnung der Module erreicht werden.
Aktuelle Entwicklungen in Deutschland
In Deutschland gewinnt Agri-PV zunehmend an Bedeutung, unterstützt durch verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen im EEG 2023 und das Solarpaket der Bundesregierung. Die Integration von Solaranlagen in die landwirtschaftliche Bewirtschaftung kann zusätzliche Vorteile bieten, wie Schutz vor extremen Wetterereignissen und Austrocknung für die angebauten Kulturen.
Vorteile von PV-Anlagen mit Speicher für landwirtschaftliche Betriebe
PV-Anlagen mit Speicher stellen für landwirtschaftliche Betriebe eine zukunftsfähige Lösung dar, um sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch zu profitieren. Diese Systeme ermöglichen es den Betrieben, ihre Energieunabhängigkeit zu erhöhen und gleichzeitig ihre Betriebskosten zu senken.
Wirtschaftliche Vorteile
Landwirtschaftliche Betriebe können durch die Installation von PV-Anlagen mit Speicher signifikante Kosteneinsparungen beim Strombezug erzielen. Zudem können sie durch die Vermarktung überschüssigen Stroms zusätzliche Einnahmen generieren. Die Kombination mit Speichersystemen ermöglicht eine optimale Nutzung des selbst erzeugten Stroms und erhöht die Unabhängigkeit von schwankenden Energiepreisen.
Ökologische Vorteile
Die Nutzung von PV-Anlagen trägt zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks des Betriebs bei und fördert die Nutzung erneuerbarer Energien. Dies unterstützt nicht nur die Umwelt, sondern kann auch das Image des Betriebs als nachhaltiges Unternehmen verbessern.
Synergieeffekte mit der landwirtschaftlichen Produktion
PV-Anlagen können Synergieeffekte mit der landwirtschaftlichen Produktion erzeugen, indem sie beispielsweise Kulturen vor extremen Wetterbedingungen schützen.
Horizontale Agri-PV-Anlagen schützen vor zu viel Sonne, Austrocknung, Starkregen und Hagel, während vertikale Systeme der Winderosion vorbeugen. Dies kann die Produktivität und Resilienz der landwirtschaftlichen Betriebe erhöhen.
Landwirtschaft PV: Technische Umsetzung und Anforderungen

Die technische Umsetzung von Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) in der Landwirtschaft erfordert eine sorgfältige Planung und Auswahl geeigneter Anlagentypen. Hierbei stehen verschiedene technische Lösungen zur Verfügung, die auf die spezifischen Bedürfnisse landwirtschaftlicher Betriebe zugeschnitten sind.
Verschiedene Anlagentypen
Bei der technischen Umsetzung von PV-Anlagen in der Landwirtschaft stehen verschiedene Anlagentypen zur Verfügung, darunter klassische Dachanlagen, Freiflächenanlagen und spezialisierte Agri-PV-Systeme. Für Agri-PV-Anlagen gibt es unterschiedliche Konstruktionsformen: hochaufgeständerte Systeme für die Bewirtschaftung unter den Modulen oder vertikale Systeme für die Bewirtschaftung zwischen den Modulreihen.
Integration von Speichersystemen
Die Integration von Speichersystemen erhöht die Flexibilität und Wirtschaftlichkeit der Anlagen, indem überschüssiger Strom gespeichert und bei Bedarf genutzt werden kann. Moderne Batteriespeicher ermöglichen eine optimale Abstimmung zwischen Stromerzeugung, Eigenverbrauch und Netzeinspeisung.
Intelligente Anlagenbetreuung (IAB)
Die Intelligente Anlagenbetreuung (IAB) umfasst digitale Überwachungs- und Steuerungssysteme, die den Betrieb der PV-Anlage optimieren. Durch IAB können Erträge maximiert, Störungen frühzeitig erkannt und die Lebensdauer der Anlagen verlängert werden.
Bei der Planung müssen die spezifischen Anforderungen des landwirtschaftlichen Betriebs berücksichtigt werden, um eine optimale Integration der Solaranlagen in die betrieblichen Abläufe zu gewährleisten. Dies umfasst auch die Berücksichtigung der Flächenkategorien, die durch das EEG 2023 gefördert werden, wie beispielsweise Flächen entlang von Autobahnen und Schienenwegen oder Konversionsflächen.
Förderung und rechtliche Rahmenbedingungen
Die Förderung von Photovoltaikanlagen in der Landwirtschaft wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2023 geregelt. Dieses Gesetz bildet die rechtliche Grundlage für die Förderung von Photovoltaikanlagen und definiert spezifische Förderbedingungen.
EEG 2023 und Solarpaket
Das EEG 2023 ermöglicht die Förderung von Agri-PV-Anlagen auf Ackerflächen, Flächen mit Dauerkulturen und Grünlandflächen, mit Ausnahme von Moorböden und Naturschutzgebieten. Das Solarpaket der Bundesregierung sieht vor, dass mindestens 50 Prozent des PV-Zubaus als Dachanlagen erfolgen sollen, um den Druck auf landwirtschaftliche Flächen zu reduzieren.
Der maximale bundesweite Netto-Zubau von Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist auf 80 Gigawatt bis 2030 und auf 177,5 GW bis 2040 gedeckelt. Diese Regelung soll eine nachhaltige Nutzung von Flächen für die Photovoltaik fördern.
Fördermöglichkeiten auf Landes- und Bundesebene
Neben der EEG-Förderung existieren verschiedene Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene, die speziell auf die Kombination von Photovoltaik und Landwirtschaft ausgerichtet sind. In einigen Bundesländern, wie beispielsweise NRW, gibt es zusätzliche Zuschüsse von bis zu 25% für Agri-PV- und Floating-PV-Anlagen.
| Förderprogramm | Förderung | Ziel |
|---|---|---|
| EEG 2023 | Förderung von Agri-PV-Anlagen | Nachhaltige Nutzung von Flächen |
| Solarpaket | Mindestens 50% PV-Zubau als Dachanlagen | Reduzierung des Drucks auf landwirtschaftliche Flächen |
| Landesförderprogramme | Zuschüsse von bis zu 25% | Förderung von Agri-PV- und Floating-PV-Anlagen |
Direktvermarktung: Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit

Die Direktvermarktung stellt für landwirtschaftliche Betriebe mit PV-Anlagen eine Chance dar, ihre Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Für PV-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 100 kWp ist die Direktvermarktung des Überschussstroms gesetzlich vorgeschrieben.
Funktionsweise der Direktvermarktung
Bei der Direktvermarktung wird der erzeugte Strom nicht zum festen EEG-Tarif eingespeist, sondern direkt an der Strombörse vermarktet. Dadurch können je nach Tageszeit und Marktlage unterschiedliche Preise erzielt werden.
Vorteile gegenüber der EEG-Vergütung
Gegenüber der festen EEG-Vergütung bietet die Direktvermarktung den Vorteil flexibler Preise, die bei entsprechender Marktsituation deutlich über dem EEG-Satz liegen können. Dies ermöglicht es landwirtschaftlichen Betrieben, ihre Erlöse zu optimieren.
Schritte zur Umsetzung
Wichtige Schritte zur Umsetzung der Direktvermarktung umfassen die Prüfung der technischen Voraussetzungen, die Auswahl eines passenden Direktvermarkters und gegebenenfalls die Installation eines Speichers zur Optimierung der Einspeisung.
Landwirtschaftliche Betriebe mit großen Dach- oder Freiflächenanlagen haben durch die Direktvermarktung besonders hohe Potenziale zur Steigerung ihrer Einnahmen aus der Photovoltaik. Durch die Kombination von Eigenverbrauch, Speicherung und gezielter Einspeisung zu Hochpreiszeiten lassen sich die Erlöse optimieren und die Wirtschaftlichkeit der Anlagen steigern.
Praxis-Beispiel: Landwirtschaftlicher Betrieb mit PV-Anlage und Speicher
Landwirt Christoph Plass hat vor über zehn Jahren eine PV-Anlage mit 140 kWp Leistung installiert und profitiert nun von der Direktvermarktung. Sein Betrieb ist ein Beispiel dafür, wie die Integration von Photovoltaik und Speichertechnologie die Wirtschaftlichkeit eines landwirtschaftlichen Betriebs verbessern kann.
Ausgangssituation und Zielsetzung
Der Betrieb von Christoph Plass war geprägt von steigenden Energiekosten und dem Wunsch nach mehr Unabhängigkeit bei der Stromversorgung. Um diese Herausforderungen zu meistern, entschied er sich für die Installation einer PV-Anlage mit einer Leistung von 140 kWp.
Technische Umsetzung
Bei der technischen Umsetzung wurde besonderer Wert auf die optimale Integration der PV-Anlage in die bestehende Betriebsstruktur gelegt. Dazu gehörte die Installation eines Batteriespeichers und intelligenter Steuerungssysteme, die eine effiziente Nutzung des erzeugten Stroms ermöglichten.

Wirtschaftliche Ergebnisse
Die Investition in die PV-Anlage mit Speicher hat sich innerhalb weniger Jahre amortisiert. Durch die Direktvermarktung des überschüssigen Stroms konnten zusätzliche Einnahmen generiert werden, die deutlich über der festen EEG-Vergütung lagen.
| Wirtschaftliche Kennzahlen | Werte |
|---|---|
| Anlagengröße | 140 kWp |
| Amortisationszeit | Wenige Jahre |
| Einnahmen durch Direktvermarktung | Über EEG-Vergütung |
Das Beispiel von Christoph Plass zeigt, dass die Kombination aus Photovoltaik, Speichertechnologie und intelligenter Vermarktung eine Win-Win-Situation für Landwirtschaft und Energiewende darstellt.
„Der Einstieg in die Direktvermarktung war die richtige Entscheidung. Durch die transparente Abrechnung ohne hohe Aufschläge konnten wir die Wirtschaftlichkeit unserer PV-Anlage deutlich verbessern.“ – Christoph Plass
Flächeneffizienz und Umweltaspekte
Die Kombination von Landwirtschaft und Photovoltaik ermöglicht eine effiziente Nutzung von Flächen und trägt zum Umweltschutz bei. Durch die Integration von Photovoltaikanlagen in landwirtschaftliche Betriebe kann die Flächeneffizienz gesteigert werden.
Vergleich mit anderen erneuerbaren Energien
Vergleicht man erneuerbare Energiequellen, ist die jeweilige Flächeninanspruchnahme ein wichtiges Kriterium. Studien haben gezeigt, dass der flächenbezogene Stromertrag aus Photovoltaik um ein Vielfaches höher ist als die Stromerzeugung aus Anbaubiomasse wie Mais oder Raps.
- Pro Hektar kann etwa 40-mal mehr Strom durch PV-Anlagen erzeugt werden als durch Biogasanlagen mit Mais.
- Die Flächeneffizienz von Photovoltaik in der Landwirtschaft ist ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen erneuerbaren Energien.

Biodiversität und Bodenschutz
PV-Freiflächenanlagen können bei entsprechender Gestaltung positive Auswirkungen auf die Biodiversität haben, indem sie artenreiche Lebensräume schaffen. Unter den Solarmodulen kann sich extensives Grünland entwickeln, das als Rückzugsort für verschiedene Tier- und Pflanzenarten dient.
| Energiequelle | Stromertrag pro Hektar |
|---|---|
| Photovoltaikanlagen | ca. 800 MWh |
| Biogasanlagen mit Mais | ca. 20 MWh |
Die Bewirtschaftung von PV-Flächen erfolgt in der Regel ohne den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, was dem Bodenschutz und der Grundwasserqualität zugutekommt.
Fazit: Zukunftsperspektiven für PV in der Landwirtschaft
Die Zukunft der Photovoltaik in der Landwirtschaft sieht vielversprechend aus. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2023 hat ein ambitioniertes Ziel für den Ausbau der Photovoltaik bis 2030 gesetzt. Bis dahin soll die installierte Leistung auf 215 Gigawatt (GW) anwachsen, was eine Verdopplung der aktuellen Leistung bedeutet.
Für landwirtschaftliche Betriebe bietet dies große Chancen, durch die Installation von PV-Anlagen und Speichersystemen ihre Energieunabhängigkeit zu stärken und zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Die Kombination von Landwirtschaft und Photovoltaik ermöglicht eine effiziente Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen.
Zukunftsperspektiven: Die Direktvermarktung von Strom wird für landwirtschaftliche Betriebe zunehmend an Bedeutung gewinnen und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Zudem können Betriebe durch PV-Anlagen einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten.
Das Potenzial für die Kombination von Landwirtschaft und Photovoltaik ist in Deutschland noch lange nicht ausgeschöpft. Mit dem EEG 2023 und der Förderung innovativer Konzepte durch die Bundesregierung sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration von PV-Anlagen in landwirtschaftliche Betriebe gegeben.